Vom Besserwissen und Loslassen

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Kannst du tatsächlich wissen, was für andere Menschen richtig ist? Weißt du, was sie brauchen oder tun müssen? Frage dich „Ist es wahr?“ und finde es heraus!

Ich komme aus einer Familie, in der viel „Du musst“ gesagt wird. Diese Aussage ist von keiner Seite aus böswillig gemeint. Es ist eher als Ratschlag gedacht, der aber eben nicht als solcher kommuniziert wird. Wir alle sind so. Wir alle haben es uns voneinander abgeguckt. Wir sagen, dass jemand anders etwas tun MUSS.

Du musst mal wieder mehr unter die Leute. Du musst jetzt mal darüber nachdenken. Du musst dir das jetzt zutrauen. Du musst mal offener werden. Du musst dem anderen mal dieses und jenes sagen. Du musst.

Lustig daran ist, dass es keiner von uns mag, wenn der andere „du musst“ sagt. Fast alle „du musst“ Aussagen sind positiv und helfend gemeint. Wir wollen, dass es dem anderen gut geht. Aber es klingt eben so, als täte man etwas nicht richtig oder als müsse man es auf die Art des anderen machen.

Byron Katie: “Ist das wahr?”

Eines meiner spirituellen Vorbilder, die Lehrerin Byron Katie, brachte mich das erste Mal auf die Idee, mich selbst zu fragen, ob ich denn überhaupt wissen kann, was ein anderer Mensch braucht oder tun muss. Sie hinterfragt stressige Gedanken mittels einer 4-Fragen-Methode.( THE WORK )  In einem ihrer workshops saß ein junger Mann. Er sagte: „Meine Mama muss mehr verreisen.“ Es machte den Mann richtig spürbar fertig, dass seine Mutter nie das Haus verließ. Er weinte tatsächlich. Er hatte Mitleid, da das Leben seiner Mutter nicht das Leben war, welches er sich für sie wünschte und vorstellte. Byron Katie fragte ihn, ob er denn wissen könne, dass seine Mutter tatsächlich mehr reisen solle und ob er überhaupt wisse, ob sie es sich für sich selbst wünsche. Vielleicht möchte sie das gar nicht. Vielleicht ist sie glücklich in ihrem Leben. Diese Aussage erleichterte ihn. Denn nur seine Vorstellung, wie etwas sein muss, machte ihn traurig.

Kann ich wirklich wissen, welcher Weg gut für andere ist?

Ich selbst habe durch Beispiele dieser Art gelernt, dass ich nicht wissen kann, was andere Menschen glücklich macht oder was sie brauchen. Ich kann nicht davon ausgehen, dass mein Weg gleich ihrer ist. Ich kann nicht davon ausgehen, dass sie die gleichen Bedürfnisse haben.

Ich denke oft über dieses Thema nach, wenn ich Menschen erlebe, die lange an einem bestimmten Problem arbeiten, mit sich hadern oder sich nicht entscheiden können. Ich denke: Die müssen mal zum Psychiater. Die müssen jetzt mal ihre “Altlasten” bearbeiten. Die müssen mal den Mund aufmachen. Komischerweise schalten sich sofort diese Besserwisser-Gedanken ein. Aber, und das mag ich am Spiel der Gedanken: Es sind NUR Gedanken. Übrigens auch Gedanken, die das eigene Ego füttern. Das ist der Teil in uns, der nicht mit Liebe und Lassen an Situationen herangeht, sondern der Teil, der immer nur  will. Dazu hatte ich letzte Woche einen Artikel geschrieben.

Fakt ist, dass ich nicht wissen kann, was irgendwer MUSS. Kein Leben ist vergleichbar mit einem anderen. Jeder von uns ist so individuell. Jeder hat eine andere Aufgabe. Jeder hat andere Wünsche, Herausforderungen und Themen. Jeder hat sein Leben und jeder von uns möchte es auch auf seine Art leben dürfen. Das ist doch ein ganz großer Wunsch, oder? Gerade in Familien hört man doch oft Sätze wie: „Lass mich doch!“

Tipps für den Alltag

Mir hilft es enorm, diesen einfachen Satz von Byron Katie in meinem Alltag zu haben. In ihrer Methode fragt sie: „Ist es wahr?“ Egal, welchen Gedanken du hast, und vor allem, wenn dich dieser Gedanke nervös und fertig macht, kannst du dich fragen: ist es wahr?

Ich mache es am „du musst“- Beispiel fest, um bei diesem einen Thema zu bleiben.

Denke an einen Menschen, den du belehren möchtest, für den du es besser weißt und frage dich, ob du es tatsächlich wissen kannst, was …. ( Hans ) muss.

Hans muss mehr auf seine Gesundheit achten.

Hans muss zur Therapie.

Hans muss sein Leben in den Griff bekommen.

Hans muss mir mehr zuhören.

Die Liebe wächst

All das entbindet uns nicht und niemals von der Verantwortung füreinander. Ganz im Gegenteil. Es nimmt die Qual, das Drama und den Stress aus unseren Beziehungen. Wenn wir anfangen, es nicht mehr für andere besser zu wissen, werden wir uns besser zuhören und uns ehrlicher begegnen. Wir fangen automatisch an, in eine viel ehrlichere Kommunikation zu gehen. Wir fangen an, dem anderen Fragen zu stellen, herzliche Ratschläge zu geben und ihm beizustehen. Wir fangen an, das Füreinander ernster zu nehmen, anstatt uns mit unserem „Besserwissertum“ über den anderen zu stellen.

Wenn du anfängst, andere zu lassen wie sie sind, kann bedingungslose Liebe wachsen.

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Kommentare:

2 thoughts on “Vom Besserwissen und Loslassen”

  1. Agata Jagoda sagt:

    Ein wunderbarer Artikel über ein tolles Thema. Danke Manu, Byron Katie verändert mit ihrer Methode die Welt und je mehr Menschen von dieser EINFACHEN Technik erfahren, desto mehr Liebe gibt es auf der Welt. Yeah!

    1. Manu sagt:

      Danke Liebes, für deinen Kommentar. Wenn ich es vergesse, erinnerst du mich 🙂 Wenn du es vergisst, erinnere ich dich. Alles um den inneren Diktator zur Ruhe zu bringen. 😉 I love you.

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